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Kytes (DE)

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Do. 12.03.2020 Einlass: 19:00 h Beginn: 20:00 h

Der beste Moment des Jahres 2016 kam für KYTES irgendwann im Frühjahr in Austin, Texas. Die Band hatte den US-Zoll „trotz 20.000 Gitarreneffekten, die aussehen wie Bomben“, passiert und soeben vier atemlose Konzerte beim weltgrößten Showcase-Festival „South by Southwest“ gegeben. Schwitzende Amerikaner hatten die Tanzfläche geentert, um zwischen Bier und Barbecue 45 Minuten lang Vollgas zu geben. Zwischen Austin und dem heimischen München liegen 8.823 Kilometer, aber irgendetwas muss das junge Quartett sehr richtig machen, wenn seine Songs plötzlich auf den Spotify-Playlists wildfremder Amerikaner auftauchen.



Zuerst die harten Fakten: KYTES heißen KYTES, „weil der Bandname geil auf der Bühne aussieht“, aber eben nicht nur da. Er ist ästhetisch ansprechend, wirkt kraftvoll und mysteriös und vor allem gutartig. Die Gruppe gibt es seit einem Jahr, ihre Mitglieder Michael Spieler (Gesang, Gitarre), Timothy Lush (Schlagzeug, Texte), Kerim Öke (Gitarre) und Thomas Sedlacek (Bass) kennen sich allerdings schon seit einer Ewigkeit. Sie singen auf Englisch, weil das ihrem internationalen Hintergrund (Deutschland, Österreich, Türkei, Tschechien, Australien) gerecht wird, und weil KYTES schon jetzt ein bisschen auf den Erfolg jenseits des deutschsprachigen Raums schielen. Austin war bereits sehr vielversprechend, aber Rostock und Nürnberg waren auch gut. An der Ostsee wurden die Bandmitglieder für Schweden gehalten, und aus Franken kommen die Facebook-Kommentare am liebsten auf Englisch.



Zweimal waren KYTES bis jetzt auf Tour: erst im November 2015, dann noch einmal im April diesen Jahres. Das Publikum, sagt Drummer Timothy Lush, habe da bereits jeden einzelnen Song mitsingen können und bestehe außerdem rätselhafterweise mehrheitlich aus Mädchen. Das sind zwei gute Zeichen. Ein drittes ist, dass auch Menschen, die normalerweise im Hip-Hop, im Metal oder bei Electro-Klängen zuhause sind, KYTES bereits in ihr Herz oder in ein anderes Organ ihrer Wahl geschlossen haben. Wenn man ihre Musik beschreiben müsste, käme wohl so etwas wie poppiger Indie-Rock dabei raus – aber nicht der von der Lo-Fi-Schrammel-Sorte, sondern eher die tanzbare, songverliebte Variante, die auf Platte funkelt und live dann etwas mehr Dreck ins Haus trägt. Es heißt, Bands wie Mando Diao, Foals oder Two Door Cinema Club funktionierten so ähnlich, aber Kytes funktionieren vor allem ganz gut alleine.



Das konnte man zum Beispiel Anfang des Jahres beobachten. Die Band wurde mit ihrem Song „On the Run“ für eine Vodafone-Werbung angefragt, woraufhin der Ohrwurm schätzungsweise 100 Millionen CallYa-Tarife verkaufen half. Statt der Tradition zu folgen und das Geld dafür sinnlos zu verprassen, kauften sich KYTES lieber einen eigenen Bandbus, mieteten einen Proberaum 50 Meter vom Isarstrand entfernt und spielten ein Album namens „Heads and Tales“ ein. Einer anderen Tradition folgend in kompletter Eigenregie.



Diese Lebenseinstellung vermittelt sich dann wiederum in den 13 Songs der LP (ja, es wird eine Vinyl-Ausgabe geben). KYTES glauben an die Selbstverwirklichung: „Mach dir nicht zu viel Stress. Mach, was dir gut tut. Hauptsache, du gehst raus und machst etwas.“ Das ist insofern autobiographisch, als dass die Bandmitglieder selbst bereits Taten folgen lassen und gerade parallel zur Musikkarriere ihre Dayjobs zurückfahren. Vielleicht wird sich die totale Autarkie noch nicht nach ihren Auftritten beim Melt! oder beim Dockville Festival einstellen, vielleicht auch noch nicht nach der bevorstehenden umfangreichen Herbst-Tournee. Aber wenn „Heads and Tales“ am 16. September erscheint, wird das mehr als eine Etappe sein.



Freuen darüber werden sich in erster Linie Sympathisanten infekziöser Rockmusik, die klassisches Drei-Minuten-Songs-Songwriting mit eloquenten Texten verbindet. Die kommen gerne aus dem Bauch, müssen aber auf dem Weg nach draußen trotzdem durch die Qualitätskontrolle. KYTES sagen, dass sie bis auf weiteres auf den Gebrauch des Wortes „love“ verzichten. Wegen Überfischung: Zu viele andere Bands haben in letzter Zeit quasi das Kontingent ausgeschöpft. Wenn es bei KYTES um Gefühle geht (und um die geht es glücklicherweise sehr oft), müssen nun eben die entlegeneren Formulierungen her, die Umschreibungen und Doppeldeutigkeiten.



Gleichzeitig gibt es wenig, was an KYTES’ Musik missverständlich sein könnte. Songs wie „I Got Something“, „Head to Toe“ oder „Future Kids“ sind zärtliche Versionen von Arschtritten, die die Band erst sich selbst und dann dem Publikum verabreicht. Auf „Talk“ oder „In the Morning“ werden nachdenklichere Töne angeschlagen, bei denen die Sonne trotzdem durch den Türspalt fällt. Was wiederum zum entwaffnenden Humor der Band passt. „Eines Tages machen wir vielleicht eine Platte, auf der ‚Love’ dann wieder vorkommt“, sagt Michael Spieler und lacht: „Aber in dem Moment haben wir uns dann halt verkauft.“ „Heads and Tales“ erscheint im September 2016 via Filter Music Group.

OFFICIAL WEBSITE:

www.kytesmusic.com



 

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